Kochrezept: Vom BAB zum Angebotspreis in fünf Schritten
1. Einzelkosten und Gemeinkosten trennen
Einzelkosten lassen sich einem Produkt direkt zuordnen: Fertigungsmaterial und Fertigungslöhne. Gemeinkosten wie Miete, Energie oder Abschreibungen entstehen für viele Produkte zusammen. Sie laufen über den Betriebsabrechnungsbogen (BAB).
2. Gemeinkosten im BAB verteilen
Was ein Beleg einer Kostenstelle zuordnet (Hilfslöhne laut Lohnliste), trägst du direkt ein. Alles andere verteilst du mit einem Schlüssel: Miete nach m², Strom nach kWh, Abschreibungen nach Anlagewert. Erst den Satz je Einheit bilden, dann mit der Menge der Kostenstelle malnehmen.
Satz je Einheit = Gesamtbetrag / Summe der Schlüssel · Anteil = Satz · Schlüssel der Stelle
Hilfskostenstellen (Energie, Reparatur, Fuhrpark) legst du danach auf die Hauptkostenstellen um. Das Anbauverfahren ignoriert den Austausch zwischen den Hilfsstellen, das Stufenleiterverfahren rechnet nur in eine Richtung, das Gleichungsverfahren löst ein Gleichungssystem und ist exakt.
Gleichungsverfahren: Gesamtleistung · pE = primäre Kosten + empfangene Leistung · pR
3. Zuschlagssätze bilden
Jede Hauptkostenstelle bekommt einen Zuschlagssatz: ihre Gemeinkosten geteilt durch die Zuschlagsbasis. Verwaltung und Vertrieb haben keine eigenen Einzelkosten. Ihre Basis sind die Herstellkosten des Umsatzes.
Kostenstelle Zuschlagssatz in % Material MGK / MEK · 100 Fertigung FGK / FEK · 100 Verwaltung VwGK / HK des Umsatzes · 100 Vertrieb VtGK / HK des Umsatzes · 100 HK des Umsatzes = HK der Erzeugung − Bestandsmehrung + Bestandsminderung
4. Kalkulationsschema Zeile für Zeile
Mit den Zuschlagssätzen rechnest du einen Auftrag von den Einzelkosten bis zum Listenpreis. Sondereinzelkosten bekommen keinen Zuschlag. Ein Beispiel, das auf den Cent aufgeht:
Zeile und Rechnung Beispiel in € Materialeinzelkosten (MEK)aus Stückliste und Materialschein 4.000,00 +MaterialgemeinkostenMGK-Zuschlag · MEK (10 %) 400,00 =Materialkosten 4.400,00 Fertigungslöhne (FEK)aus dem Lohnschein 3.200,00 +FertigungsgemeinkostenFGK-Zuschlag · FEK (130 %) 4.160,00 +Sondereinzelkosten der Fertigungdirekt, ohne Zuschlag 0,00 =Fertigungskosten 7.360,00 =HerstellkostenMaterialkosten + Fertigungskosten 11.760,00 +VerwaltungsgemeinkostenVwGK-Zuschlag · HK (10 %) 1.176,00 +VertriebsgemeinkostenVtGK-Zuschlag · HK (5 %) 588,00 +Sondereinzelkosten des Vertriebsdirekt, ohne Zuschlag 0,00 =Selbstkosten 13.524,00 +GewinnGewinnzuschlag · SK (10 %) 1.352,40 =Barverkaufspreis 14.876,40 +Kundenskontoim Hundert: BVP · 100 / (100 − 2) 303,60 =Zielverkaufspreis 15.180,00 +Kundenrabattim Hundert: ZVP · 100 / (100 − 20) 3.795,00 =Listenverkaufspreis (netto) 18.975,00 5. Vorwärts, rückwärts oder als Differenz
Zuschläge (Gemeinkosten, Gewinn) rechnest du auf Hundert: vorwärts malnehmen, rückwärts durch (100 + Satz) teilen. Skonto und Rabatt hängen am Preis darüber: rückwärts ziehst du sie vom Hundert ab, vorwärts rechnest du im Hundert und teilst durch (100 − Satz).
vorwärts: ZVP = BVP · 100 / (100 − Skonto) · rückwärts: SK = BVP · 100 / (100 + Gewinn)
Differenzkalkulation: Ist der Marktpreis fest, rechnest du die Kosten von unten bis zu den Selbstkosten und den Preis von oben bis zum Barverkaufspreis. Die Lücke ist der Gewinn, in Prozent bezogen auf die Selbstkosten.